Wer mit Zen-Praxis beginnt, dem stellt sich diese Frage. Nicht zuletzt hat man schon von so und so viel Formen der Meditation gehört, gelesen, manchmal auch praktiziert.
Um Missverständnissen vorzubeugen, versuche ich im Folgenden, an die Wurzel vieler Missverständnisse zu gehen. Also: Was macht man nun, wenn man Zen-Meditation übt, genau?
Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig zu entdecken, dass es viele verschiedene Formen der Zen-Meditation gibt, jedoch nur einige davon dem „großen Fahrzeug“ des Buddhismus entsprechen.
Was ist zen-buddhistisches Zazen?!
Das Wort zen ist die japanische Übertragung des chinesischen Begriffes chan, der wiederum eine Übersetzung des Sanskritwortes dhyana ist und dhyana bedeutet schlicht und ergreifend Versenkung, Meditation, Kontemplation, etc.. Somit ist jede Form der Meditation zugleich auch Zen-Meditation, gleich, ob ich dies zur Entspannung und Rekreation, oder zur Erfahrung bestimmter Bewusstseinszustände, zur Erlangung bestimmter Fähigkeiten, oder aber zur Erweckung führt.
Allein letztes aber ist zen-buddhistische Meditation, ist Zazen, wie es von den großen Meistern und Ahnen wie Bodhidharma, Hui Neng und Dogen „von Augenbraue zu Augenbraue“ weitergegeben wurde. Das bedeutet, dass diese Lehre persönlich von Lehrer zu Schüler/in weitergegeben wird. Innerhalb dieser Weitergabe schaut der Lehrer, welche Übungsform für den Schüler aktuell die passende ist.
Die höchste und reinste Form von Zazen ist shikantaza, doch kann es für einen Anfänger Überforderung sein, sofort mit shikantaza zu beginnen, weshalb der Lehrer ggf. rät, z.B. mit dem alleinigen Zählen der Atemzüge zu beginnen, oder erst einmal nur auf die korrekte Haltung zu achten, oder aber den Strom der Gedanken zu beobachten.
Wenn man mit Zazen beginnt, ist der Geist voller Konzepte, Erwartungen, was denn jetzt „geschehen“ soll, während man sitzt. Bei vielen hält dieser Zustand der Erwartung lange an, manche kultivieren ihn sogar. Der Haken dabei ist, dass da nichts ist, was „gleich/später“ kommt, denn „später“ ist bereits eine fiktive Konzeption, der man sein Leben lang nachlaufen kann und so eine Saat beständiger Unzufriedenheit und Bedürftigkeit anlegt. Was da ist, ist das jetzt, und das gesamte Sein, so, wie es ist. Und das ist Alles!
Wie sitzt man denn nun?
Zunächst ist die körperliche Haltung nicht unwichtig. Man sitzt aufrecht in einer der Meditationshaltungen (Lotus, halber Lotus, Viertellotus, Seiza), die Hände zum Mudra zusammengelegt. Wichtig dabei, dass wir auf drei „Pfeilern“ sitzen und so Stabilität beim Sitzen haben; die Pfeiler sind die beiden Knie und die Sitzfläche. Haben diese drei nicht festen soliden Bodenkontakt, wird das Ganze schnell zur Folter, da verschiedene Muskelgruppen sich zunehmend anspannen, um das Ungleichgewicht zu kontrollieren – und das schmerzt irgendwann nur noch.
Noch wichtiger aber ist die innere geistige Haltung/Übung: shikantaza bedeutet übersetzt „einfach nur sitzen“. Wie sagte Kodo Sawaki treffend: „Zazen bringt nichts!“, d.h. vergiss alle Erwartungen, leg sie am besten schon in der Umkleide ab. Die anderen Erwartungen, die Du während des Zazen vielleicht entdeckst, erfahre sie während des Sitzens als leer, als illustre Angebote in Deinem „Bestellkatalog“ der Gedanken, es ist nur Papier....
Während Zazen gibt es nichts zu tun (was für die meisten eben das Schwierigste ist), außer allein Gewahrsein von dem, was jetzt ist.
Und Gewahrsein ist wiederum nichts, was man „macht“, sondern viel mehr geschehen lässt.
Und ja, wir sind bereits erleuchtet, wir sind beständig gewahr, jedoch identifizieren wir uns beständig mit den Objekten unseres Gewahrseins und unseren Ideen, Konzepten und Interpretationen zu den Objekten.
Das ist das beständige Herumjagen der Gedanken, die wie Fliegen um den Mist um die Konzepte und Ideen kreisen.
Buddha (Gewahrsein) sieht die Fliegen, ist aber selbst keine Fliege und kreist auch nirgends herum.
Buddha sitzt da, einfach so, das ist alles.
...und so sitzt man im Zazen!