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Erinnerungen an Maezumi Roshi
von Bernard Tetsugen Glassman Roshi
Meine erste Begegnung mit Maezumi Roshi fand im Jahre 1963 statt.
Damals war er ein junger Soto Mönch in Los Angeles und arbeitete
im Zenshuji unter der Leitung von Sumi Roshi, der zu jener Zeit Sokan
von Nord Amerika war.
Ich besuchte dort ein kleines Zazenkai, und obschon ich bereits einige
Erfahrung mit Zazen besaß, war mir "Geh-Meditation" völlig
neu.
Also fragte ich Sumi Roshi, "Was tun wir eigentlich während
der Geh-Meditation?"
Sumi Roshi wandte sich an Maezumi Sensei und bat ihn um Antwort.
"Wenn wir gehen, gehen wir einfach", erwiderte der junge Mönch
daraufhin.
Selbst heute noch fühle ich mich tief durchdrungen von der simplen
Klarheit und Direktheit seiner Lehre, welche mich seitdem mein ganzes
Leben hindurch begleitet und geführt hat.
Sieben
Jahre später dann, 1970, war ich die erste Person, die von Maezumi
Sensei "Tokudo" empfing.
Während
sich nun Maezumi Roshi's einjährige Gedächtnisfeier nähert,
halte ich inne, um unsere nunmehr 35 gemeinsamen Jahre zu reflektieren,
wobei sich immer wieder bestimmte Motive aus dem Strom meiner Erinnerungen
hervorheben.
Zunächst:
Maezumi Roshi betonte stets die Bedeutung von Klarheit im Verständnis
einer Sache.
Um die Analogie eines Eies heranzuziehen, - Maezumi Roshi erkannte das
Potential wesenhafter Übertragung, substanzieller Weitergabe, im
Eidotter, als der Essenz des Buddhadharma, und mit unerschütterlicher
Hingabe und Überzeugungskraft führte er auch seine Schüler
zur Erkenntnis dieser Essenz.
Durch die Weitergabe der wahren Lehren befähigte Maezumi Roshi seine
Schüler darüber hinaus, auch das Eiweiß, also den gesamten
kulturellen Lebenskontext, angemessen zu berücksichtigen, und ermutigte
sie immer wieder, neue, taugliche Formen der Praxis für die westliche
Welt zu entwickeln.
Zweitens:
Maezumi Roshi lehrte mich die Bedeutung der Übertragungslinie.
Im Besonderen betonte er den Wert der Übertragungslinie für
diejenigen Menschen, welche die Praxis weiterführen, bis sie selbst
Dharma-Übertragung empfangen, um diese wiederum weitergeben zu können.
Er klärte mich auf, wie selten eine solche Übertragung stattfindet,
insbesonders anbetracht der vielen Gründe, welche so viele Schüler
irgendwann zur Aufgabe ihrer Praxis veranlassen: Zweifel, familiäre
Verpflichtungen, Arbeit, Krankheit, usw.
In der reellen Praxis ist allein die Wahrscheinlichkeit, daß jemand
sein formelles Studium zu einem Abschluß bringt, verschwindend klein.
Maezumi Roshi lehrte mich, die Tradition der Übertragungslinie entsprechend
wertzuschätzen.
Während
unserer gemeinsamen Ausbildung konzentrierte sich Maezumi Roshi auf seine
eigene unmittelbare Übertragungslinie, hob gleichzeitig aber auch
die Bedeutung hervor, die vielen verschiedenen Strömungen zu erkennen,
welche die eigene Tradition unterstützen und kräftigen.
Sicherlich ist es leichter, offensichtliche Ursachen wahrzunehmen als
scheinbar verborgene, jedoch ist gerade auch die Kenntnis der weniger
augenscheinlichen, indirekten Strömungen zur Erlangung einer klaren,
ganzheitlichen Sichtweise elementar. 
Von
diesem Blickwinkel aus betonte Maezumi Roshi oft die Wichtigkeit, nicht
nur die eigene, sondern die vollständige Soto-Übertragungslinie
und zu erfassen, und der unermeßlichen Unterstützung, die diese
Traditionen uns bieten, größte Wertschätzung zuzuerkennen.
Nun,
ein Jahr nach seinem Dahinscheiden, gedenke ich Maezumi Roshi in Dankbarkeit,
wie er während seiner letzten Lebensjahre seine gesamten Energien
unermüdlich in die Begründung und den Aufbau einer Soto Zen
Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten investierte.
Nur wenige Monate vor seinem Tod half er noch dabei, japanische und westliche
Soto Zen Gruppierungen auf der Green Gulch Farm zusammenzuführen.
Er trug hier Sorge für ein friedvolles Umfeld von Heilung und Zusammenarbeit,
und trat beharrlich dafür ein, daß all die vielen Soto Zen
Gruppen harmonisch kooperieren sollten.
Die Saat seiner Bemühungen beginnt heute aufzugehen, und wir können
dessen Auswirkungen bereits auf der ganzen Welt wahrnehmen.
Selbst im jetzigen Augenblick kann ich seine Energie unmittelbar fühlen,
sowie auch seine Gebete hören, die uns ermutigen und helfen wollen,
dieses Zusammenwirken weiterhin erfolgreich zu gestalten.
(Aus
dem Englischen übertragen von Michael Wingender)
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